Zertifikate und technische Dokumente liefern wichtige Informationen über Identität, Material, Normen, Toleranzen, Kalibrierung und technische Eigenschaften von Laborglas. Nicht jedes Zertifikat hat jedoch dieselbe Bedeutung.
Dokumenttyp bestimmen
Typische Dokumente sind:
- Technisches Datenblatt (TDS)
- Konformitätszertifikat (CoC)
- Chargenzertifikat
- Kalibrierzertifikat
- Einzelzertifikat
- Konformitätserklärung (DoC)
- Prüfbericht
1. Produktidentität prüfen
Vergleichen Sie:
Produktname + Artikelnummer + Volumen/Größe
mit dem tatsächlichen Produkt.
2. Chargennummer vergleichen
Bei chargenbezogenen Dokumenten sollte gelten:
Lot auf dem Produkt = Lot auf dem Zertifikat
3. Glasart prüfen
Eine eindeutige Materialangabe wie:
Borosilikatglas 3.3
ist aussagekräftiger als eine allgemeine Bezeichnung wie „Laborglas“.
4. Normen richtig interpretieren
Prüfen Sie, welche ISO-, DIN-, ASTM- oder andere Norm tatsächlich angegeben ist und in welchem Zusammenhang sie genannt wird.
„Nach einer Norm geprüft“ bedeutet nicht automatisch vollständige Konformität mit allen Anforderungen dieser Norm.
5. Klasse A, AS und B verstehen
Diese Klassen beziehen sich auf Anforderungen und Toleranzen des jeweiligen Standards.
Klasse A besitzt im Allgemeinen engere volumetrische Toleranzen als Klasse B.
Klasse A ≠ individuelles Kalibrierzertifikat
6. Nennvolumen und Toleranz
Die Angabe 100 mL beschreibt das Nennvolumen.
Für präzise Arbeiten muss zusätzlich die zulässige Toleranz berücksichtigt werden.
7. IN/EX bzw. TC/TD
IN / TC: auf Inhalt kalibriert.
EX / TD: auf Ablauf bzw. Abgabe kalibriert.
Diese Unterscheidung ist bei volumetrischem Laborglas besonders wichtig.
8. Bezugstemperatur
Volumetrische Glasgeräte werden üblicherweise auf eine definierte Temperatur bezogen, häufig:
20 °C
9. Kalibrierzertifikate prüfen
Achten Sie auf:
- Produktidentifikation
- Kalibrierdatum
- Methode
- Messergebnis
- Messunsicherheit
- Referenznormale
- metrologische Rückführbarkeit
10. Messunsicherheit
Ein Ergebnis wie:
100,03 mL ± 0,02 mL
sollte zusammen mit den Angaben zur Messunsicherheit im Zertifikat interpretiert werden.
11. Chargen- und Einzelzertifikat
Ein Chargenzertifikat bezieht sich auf eine Produktionscharge.
Ein Einzelzertifikat dokumentiert ein individuell identifiziertes Produkt.
12. Datumsangaben unterscheiden
Herstellungsdatum, Prüfdatum, Kalibrierdatum und Ausstellungsdatum sind nicht identisch.
13. Aussteller kontrollieren
Das Dokument kann vom Hersteller, einem internen Qualitätslabor, einem unabhängigen Prüflabor oder einem akkreditierten Kalibrierlabor ausgestellt worden sein.
Diese Dokumente sind nicht automatisch gleichwertig.
14. Technisches Datenblatt lesen
Wichtige Angaben können sein:
- Glasart
- Wärmeausdehnung
- hydrolytische Beständigkeit
- chemische Beständigkeit
- Temperaturangaben
- Abmessungen
- Schliffgrößen
15. Technische Begriffe unterscheiden
Typical Value: typischer Wert, nicht unbedingt garantierte Spezifikation.
Specification: festgelegte Anforderung.
Measured Value: tatsächlich gemessener Wert.
Fazit
Fragen Sie nicht nur:
„Hat das Produkt ein Zertifikat?“
Sondern:
„Welches Zertifikat ist vorhanden, was weist es tatsächlich nach und gehört es wirklich zu diesem Produkt?“