Pipetten-Auswahlhilfe: Vollpipetten oder Messpipetten?

Eine genaue Volumenmessung und Flüssigkeitsübertragung ist eine wichtige Grundlage für zuverlässige Laborergebnisse. Zu den häufig verwendeten Glaspipetten gehören Vollpipetten und Messpipetten (graduierte Pipetten).

Beide dienen dem kontrollierten Flüssigkeitstransfer, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Messprinzip, Genauigkeit und Flexibilität.

Was ist eine Vollpipette?

Eine Vollpipette ist für die genaue Abgabe eines bestimmten Nennvolumens ausgelegt. Sie besitzt in der Regel eine einzelne Kalibriermarke.

Eine 10-ml-Vollpipette ist beispielsweise dafür vorgesehen, unter den festgelegten Kalibrier- und Anwendungsbedingungen ihr Nennvolumen präzise abzugeben.

Wesentliche Vorteile:

  • Hohe Genauigkeit und Wiederholbarkeit
  • Präziser Transfer eines festen Volumens
  • Geeignet für quantitative Analysen
  • Ideal zur Herstellung von Standardlösungen und für analytische Anwendungen

Vollpipetten eignen sich besonders, wenn Genauigkeit wichtiger als Volumenflexibilität ist.

Was ist eine Messpipette?

Eine Messpipette besitzt mehrere Volumenmarkierungen entlang des Pipettenkörpers. Dadurch können innerhalb des vorgesehenen Messbereichs unterschiedliche Flüssigkeitsvolumina abgemessen und übertragen werden.

Wesentliche Vorteile:

  • Verschiedene Volumina mit einer Pipette
  • Praktisch für routinemäßige Flüssigkeitstransfers
  • Hohe Flexibilität im Laboralltag
  • Geeignet für wiederkehrende Arbeiten mit unterschiedlichen Volumina

Vollpipette oder Messpipette?

MerkmalVollpipetteMesspipette
VolumenEin NennvolumenMehrere Volumina
GenauigkeitIm Allgemeinen höherAbhängig von Typ und Klasse
FlexibilitätGeringerHöher
Quantitative AnalyseSehr gut geeignetAnwendungsabhängig
Routinemäßiger TransferGeeignetSehr gut geeignet
HauptanwendungPräziser FestvolumentransferVariabler Volumentransfer

Kalibrierungsangaben beachten

Neben dem Pipettentyp sollten Genauigkeitsklasse, Nennvolumen, Toleranz, Ablauf-/Abgabeeigenschaften und die geltende Norm berücksichtigt werden.

Für anspruchsvolle Messungen werden häufig Pipetten der Klasse A oder AS verwendet. Bei Klasse AS weist das „S“ gemäß den entsprechenden Normanforderungen auf eine schnelle Abgabe mit verkürzter Wartezeit hin.

Den Meniskus richtig ablesen

Die Pipette sollte senkrecht gehalten und der Meniskus bei geeigneten Flüssigkeiten auf Augenhöhe an der entsprechenden Kalibriermarke abgelesen werden.

Parallaxefehler sowie eine falsche Ablauftechnik können das Messergebnis beeinflussen.

Fazit

Ein festes Volumen mit hoher Genauigkeit übertragen → Vollpipette
Unterschiedliche Volumina messen und übertragen → Messpipette

Die Kombination aus geeigneter Pipette, richtiger Genauigkeitsklasse und korrekter Anwendung trägt wesentlich zu zuverlässigen Laborergebnissen bei.

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