Die Zuverlässigkeit eines Labors hängt nicht nur von den verwendeten Methoden und Geräten ab. Auch die eingesetzten Materialien müssen eindeutig identifiziert und zurückverfolgt werden können. Rückverfolgbarkeit verbindet ein Produkt mit seiner Herkunft, Produktionscharge, Qualitätsdokumentation und Verwendung. Eine typische Kette lautet: Hersteller → Produkt → Produktcode → Charge/Lot → Zertifikat → Händler → Labor → Verwendung
1. Eindeutige Produktidentifikation
Produktname, Produktcode, Qualität/Grade und Chargennummer ermöglichen eine zuverlässigere Identifikation als der Produktname allein.
2. Verbindung mit Produktionsdaten
Die Chargennummer verbindet das Produkt mit einer bestimmten Produktionsgruppe und kann mit Produktions-, Rohstoff-, Qualitätskontroll- und Versanddaten verknüpft sein.
3. Überprüfung des CoA
Bei einem Certificate of Analysis (CoA) sollte insbesondere geprüft werden:
Lot auf dem Etikett = Lot auf dem CoA
Nur so kann die Zuordnung des Zertifikats zum vorhandenen Produkt zuverlässig geprüft werden.
4. Untersuchung von Qualitätsproblemen
Bei Qualitätsabweichungen kann folgende Kette untersucht werden:
Produkt → Charge → Produktionsdaten → QC-Ergebnisse → Distribution
5. Produktrückrufe
Eine gute Chargenrückverfolgbarkeit hilft dabei, bei einem Problem gezielt die potenziell betroffenen Produkte und Kunden zu identifizieren.
6. Rückwirkende Untersuchung von Laborergebnissen
Wenn sich Analyseergebnisse verändern, kann geprüft werden, ob beispielsweise ein anderes Reagenz-, Filter- oder Referenzmaterial-Lot verwendet wurde.
7. Reklamationsmanagement
Produktcode, Chargennummer, betroffene Menge und Problembeschreibung ermöglichen eine effizientere Untersuchung durch Hersteller oder Lieferanten.
8. Lagerverwaltung
Lotnummern können mit Eingangsdatum, Verfallsdatum, Öffnungsdatum und Lagerbestand verbunden werden.
Für geeignete Produkte kann das FEFO-Prinzip – First Expired, First Out angewendet werden.
9. Dokumentation und Audits
Eine dokumentierte Verbindung wie:
Analyse → Reagenz → Charge → CoA → Wareneingang
unterstützt professionelle Qualitätsmanagementsysteme.
10. Produkt- und metrologische Rückverfolgbarkeit
Diese Begriffe sind nicht identisch.
Produktrückverfolgbarkeit: verfolgt Herstellung, Lieferung und Verwendung eines Produkts.
Metrologische Rückführbarkeit: verbindet ein Messergebnis über eine dokumentierte Kalibrierkette mit einer geeigneten Referenz.
Fazit
Professionelle Rückverfolgbarkeit verbindet:
Produktidentität + Charge + Zertifikate + Lieferdaten + Qualitätsdaten + Verwendung
Damit kann das Labor zwei entscheidende Fragen beantworten:
„Woher stammt dieses Produkt?“
„Wo wurde es verwendet?“