Zuverlässige Labormessungen hängen nicht nur von hochwertigen Geräten ab. Auch die messtechnische Leistung der verwendeten Geräte muss bekannt und gegebenenfalls dokumentiert sein. Ein Kalibrierzertifikat dokumentiert die Bedingungen und Ergebnisse einer Kalibrierung.
Was bedeutet Kalibrierung?
Bei einer Kalibrierung wird unter festgelegten Bedingungen die Beziehung zwischen den Anzeigen eines Messgeräts und den durch geeignete Referenznormale bestimmten Werten ermittelt.
Kalibrierung und Justierung sind nicht dasselbe.
Was enthält ein Kalibrierzertifikat?
Je nach Kalibrierung können unter anderem folgende Angaben enthalten sein:
- Identifikation des Geräts
- Hersteller, Modell und Seriennummer
- Kalibrierdatum
- Kalibriermethode
- Umgebungsbedingungen
- Verwendete Referenznormale
- Messergebnisse
- Messunsicherheit
- Angaben zur metrologischen Rückführbarkeit
- Zertifikatsnummer
Wann ist eine Kalibrierung besonders wichtig?
Vor allem bei Geräten, deren Messergebnisse Analysen direkt beeinflussen:
- Vollpipetten
- Büretten
- Messkolben
- Kolbenhubpipetten
- Waagen
- Thermometer
- pH-Meter
Für Laboratorien im Rahmen von ISO/IEC 17025 sind die Eignung der Messmittel und – soweit erforderlich – die metrologische Rückführbarkeit wichtige Anforderungen.
Bedeutet Klasse A automatisch Kalibrierzertifikat?
Nein.
Klasse A beschreibt bestimmte Toleranzanforderungen des jeweiligen Produktstandards.
Sie bedeutet nicht automatisch, dass für jedes einzelne Produkt ein akkreditiertes Kalibrierzertifikat vorhanden ist.
Klasse A ≠ individuelles Kalibrierzertifikat
Chargenzertifikat oder Einzelzertifikat?
Ein Chargenzertifikat bezieht sich auf eine definierte Produktionscharge und das entsprechende Kontrollsystem des Herstellers.
Ein Einzelzertifikat dokumentiert ein individuell identifiziertes Produkt.
Welche Variante erforderlich ist, hängt vom Verwendungszweck und Qualitätssystem ab.
Metrologische Rückführbarkeit
Die metrologische Rückführbarkeit verbindet ein Messergebnis über eine dokumentierte, ununterbrochene Kalibrierkette mit einer geeigneten Referenz.
Vereinfacht:
Laborgerät → Referenznormal → übergeordnetes Normal → nationale/internationale Referenz
Messunsicherheit
Kein Messergebnis ist absolut exakt.
Ein Ergebnis kann beispielsweise lauten:
100,02 mL ± 0,03 mL
Für die korrekte Interpretation müssen die Angaben zur Messunsicherheit im Zertifikat berücksichtigt werden.
Wie oft sollte kalibriert werden?
Es gibt kein universelles Kalibrierintervall für alle Geräte.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Nutzungshäufigkeit
- Stabilität des Geräts
- frühere Kalibrierergebnisse
- Herstellerempfehlungen
- Umgebungsbedingungen
- Kritikalität der Messung
- gesetzliche und normative Anforderungen
Kalibrierung und Verifizierung
Kalibrierung bestimmt die Beziehung zwischen Anzeige und Referenzwert.
Verifizierung prüft, ob festgelegte Anforderungen erfüllt werden.
Fazit
Ein Kalibrierzertifikat dokumentiert Messergebnisse, Messunsicherheit und metrologische Rückführbarkeit.
Nicht jedes Laborprodukt benötigt jedoch ein individuelles Kalibrierzertifikat. Die Notwendigkeit sollte anhand von Verwendungszweck, erforderlicher Genauigkeit, Risiko, Normen und Qualitätssystem beurteilt werden.